Manchmal frage ich mich am Ende eines Tages:
Was habe ich heute eigentlich die ganze Zeit gemacht?
Nicht, weil ich nichts getan hätte. Im Gegenteil.
Der Tag war voll. Ich habe organisiert, gearbeitet, gekocht, gefahren, geräumt, gesprochen, entschieden und mich um andere gekümmert.
Und trotzdem sind Dinge liegen geblieben, für die ich eigentlich gern Zeit gehabt hätte.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl.
Wir haben alle dieselben 24 Stunden. Aber wie wir sie verbringen, fühlt sich sehr unterschiedlich an. Und nicht alles, was Zeit kostet, kostet auch gleich viel Kraft.
Deshalb möchte ich mit dir in diesem Artikel einmal nicht darüber nachdenken, wie du noch mehr in deinen Tag bekommst.
Sondern über drei andere Fragen:
Wohin geht meine Zeit?
Wohin geht meine Kraft?
Und passt das eigentlich zu dem, was mir wichtig ist?
Schritt 1: Wo fließen deine Zeit und deine Kraft hin?
Denk einmal an die verschiedenen Bereiche deines Lebens. Zum Beispiel:
- Familie
- Herkunftsfamilie/Verwandtschaft
- du selbst
- Beruf/Bildung
- Haushalt
- Freunde
- Glaube/Spiritualität
Die Liste muss für dich nicht genauso aussehen. Vielleicht gibt es bei dir noch einen anderen Bereich, der gerade viel Raum einnimmt.
Dieses Experiment gibt dir eine anschauliche Antwort auf die Frage:
In welche Lebensbereiche fließen zurzeit der größte Teil deiner Zeit und deiner Kraft?
1 – Für das Experiment benötigst du mehrere möglichst gleich große Gläser. Jedes Glas steht für einen deiner Lebensbereiche.
2 – Außerdem brauchst du eine Flasche Wasser. Wenn du es mit Wasserfarben einfärbst, wird das Experiment noch etwas eindrücklicher.
3 – Verteile das Wasser auf deine Gläser. Je mehr Zeit und Kraft ein Lebensbereich momentan beansprucht, desto mehr Wasser bekommt das entsprechende Glas. Sei dabei ehrlich und fülle die Gläser nicht so, wie du es gern hättest, sondern so, wie es gerade tatsächlich aussieht.
Schau dir anschließend deine Gläser an.
Dabei geht es nicht darum, dass alle gleich voll sein müssen.
In verschiedenen Lebensphasen brauchen unterschiedliche Dinge unterschiedlich viel Raum. Ein Baby, eine berufliche Herausforderung, die Pflege eines Angehörigen oder eine schwierige Familiensituation können zeitweise sehr viel Zeit und Kraft beanspruchen.
Interessanter sind andere Fragen:
Überrascht mich die Verteilung?
Welcher Bereich nimmt gerade besonders viel ein?
Welcher kommt kaum vor?
Und passt das zu meiner momentanen Lebenssituation?
Wenn du dabei merkst, dass du selbst in deinem Familienalltag fast gar nicht mehr vorkommst, lies hier weiter:
→ Selbstfürsorge als Mama: Wie du dich im Familienalltag nicht selbst vergisst

Ein Satz, der mir bei solchen Entscheidungen schon oft geholfen hat, lautet:
„Ich kann – aber ich muss nicht.“
Nur weil ich etwas schaffen könnte, heißt das nicht automatisch, dass ich es tun muss.
Die interessantere Frage ist:
Will ich meine Zeit und Kraft dafür einsetzen?
Wenn du häufig Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein meinst:
→ Nein sagen lernen: Warum ein Nein manchmal genau richtig ist
Schritt 2: Was kostet dich Kraft – und was gibt dir Kraft?
Nimm einmal einen ganz normalen Tag. Keinen perfekten Sonntag und keinen völligen Katastrophentag.
Schreib auf, was darin vorkommt.
Arbeit, Wege, Haushalt, Kinder, Termine, Handy, Gespräche, Kochen, Einkaufen, Fernsehen, Sport, Pausen …
Danach schätzt du grob, wie viel Zeit diese Dinge einnehmen.
Und dann kommt die interessantere Spalte:
Was davon kostet mich Kraft – und was gibt mir Kraft?
Du kannst zum Beispiel mit + / 0 / – markieren:
+ gibt mir eher Kraft
0 ist für mich eher neutral
– kostet mich eher Kraft
Mein „typischer“ Tag:
| Tätigkeit | Zeit ungefähr | Gibt mir Kraft / neutral / kostet Kraft |
Schau anschließend auf deinen Tag.
Vielleicht fällt dir etwas auf.
Gibt es Aufgaben, die sehr viel Zeit beanspruchen?
Dinge, die erstaunlich viel Kraft kosten?
Etwas, das du nur machst, weil du meinst, dass man es eben so macht?
Gibt es Dinge, die dir wichtig sind und fast gar keinen Platz bekommen?
Und vielleicht gibt es auch Aufgaben, die anstrengend sind und trotzdem bleiben sollen – weil sie dir wichtig sind.
Und welche Dinge geben dir Kraft oder tun dir gut? Wenn dir spontan kaum etwas einfällt, das du gern nur für dich tust, kann manchmal ein Blick zurück helfen: Was hast du früher gern gemacht, bevor dein Alltag so voll wurde?
Schritt 3: Was sind deine großen Steine?
Vielleicht kennst du das bekannte Bild vom Glas, das zuerst mit großen Steinen und anschließend mit Kies und Sand gefüllt wird.
Die Idee dahinter ist einfach:
Wenn die großen Steine nicht zuerst ihren Platz bekommen, bleibt irgendwann kein Raum mehr für sie.
Übertragen auf deinen Alltag lautet die Frage:
Was sind meine großen Steine?

Als wir an der Ostsee waren, habe ich diese großen Steine gesehen und musste an genau dieses Bild denken.
Was sind die großen Steine in deinem Leben?
Vielleicht deine Partnerschaft.
Deine Kinder.
Gesundheit.
Ein Beruf, der dir wichtig ist.
Freundschaften.
Dein Glaube.
Ein eigenes Projekt.
Oder gerade eine schwierige Lebenssituation, die schlicht viel Raum braucht.
Es gibt keine richtige Liste.
Es geht um deine.
Dein Alltag muss nicht perfekt zu deinen Prioritäten passen
Vielleicht stellst du fest:
Das, was mir am wichtigsten ist, bekommt gerade erstaunlich wenig Raum.
Das bedeutet nicht automatisch, dass du dein Leben falsch führst. Familienleben besteht aus Phasen.
Manchmal beansprucht etwas sehr viel Zeit, obwohl wir es uns nicht ausgesucht haben.
Ein krankes Kind. Pflege. Finanzielle Sorgen. Eine schwierige berufliche Phase.
Du kannst deine 24 Stunden nicht immer frei verteilen.
Aber wenn du weißt, was dir wichtig ist, kannst du bei den Dingen, die tatsächlich veränderbar sind, bewusster entscheiden.
Nicht mehr schaffen – sondern bewusster entscheiden
Wahrscheinlich wirst du nach diesem Experiment nicht plötzlich zwei zusätzliche Stunden am Tag finden.
Aber vielleicht siehst du deinen Alltag etwas klarer.
Wo geht meine Zeit hin?
Was kostet mich Kraft?
Was ist mir wirklich wichtig?
Und dann kommt die entscheidende Frage:
Was davon kann ich beeinflussen?
Vielleicht ist es nur eine kleine Sache.
Ein Nein.
Eine Aufgabe, die jemand anderes übernimmt.
Etwas, das ihr ab jetzt einfacher macht.
Oder ein großer Stein, für den du wieder bewusst etwas Platz schaffen möchtest.
Genau darum geht es für mich:
Nicht noch mehr in einen ohnehin vollen Tag hineinzupacken. Sondern bewusster zu entscheiden, was darin Platz bekommen soll.

